
VORBILD STATT PEITSCHE
Zwei Ochsen auf dem Feld, eingespannt unter einem Joch. In alten Filmen oder auf alten Bildern sieht man das manchmal noch. Ein Balken liegt auf den Schultern der Tiere, so dass sie nicht ausbrechen können. Durch Lederriemen sind sie mit einem Pflug verbunden. Hinter ihnen geht der Bauer mit Zügeln in der Hand. Er bestimmt, wo es langgeht, und treibt die Ochsen mit einer Peitsche vor sich her.
Der Monatsspruch holt uns in dieses Bild: Lasst euch nicht wieder ein Joch auflegen, das euch knechtet!
Ich frage mich: Was liegt mir wie ein hartes Holz auf den Schultern und zwingt mich in eine Richtung, die ich nicht will? Was hindert mich, auszubrechen aus Strukturen, die mich belasten und unfrei machen?
Ich schreibe eine Liste: Meine Angst; sie hindert mich, Neues zu wagen. Die Befürchtung, nicht mehr geliebt zu werden, wenn ich „Nein“ sage. Mein Perfektionismus, der mich antreibt zu immer mehr Leistung.
Wie gut tut es mir zu hören: Zur Freiheit hat uns Christus befreit.
Zuerst heißt das für mich: Jesus Christus liebt mich so, wie ich bin, und nimmt mir ab, was mich knechtet. Er befreit mich davon, es mir in meiner Angst wohnlich einzurichten, anderen gefallen zu müssen oder mich über meine Leistung zu definieren.
„Du bist befreit!“ Immer wieder will ich mir das sagen lassen. Will aufatmen, durchatmen.
Und dann fragen: Was möchte er, der mich frei macht, von mir?
Von ihm will ich mich leiten lassen. Denn Jesus Christus geht als gutes Vorbild voran und nicht mit der Peitsche hinter mir her.
Text: Tina Willms
Foto: Daniela Hillbricht
Jahreslosung 2026: Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu! (Offenbarung 21,5)

ANDERS GESAGT: ZUKUNFT
Liebe Zukunft, von der ich nicht weiß, wie du aussiehst. Es gibt Zeiten, da kann ich kaum an
dich glauben. Manchmal erscheint es mir unwahrscheinlich, dass es dich gibt. Erst recht nicht
für eine Ewigkeit. Ich weiß nicht, ob du in das schauen kannst, was wir Gegenwart nennen.
Sollte es so sein, dann weißt du, dass die in der letzten Zeit eher entmutigend war. Ja,
vielleicht hast du sogar Angst um dich selber bekommen.
Ich jedenfalls gebe zu, dass ich zuweilen verzagt bin. Ich weiß nicht, ob ich in dich, liebe
Zukunft, Vertrauen setzen kann. Dabei kannst du ja gar nichts dafür.
Manchmal kann Vertrauen wohl nur ein „Trotzdem“ sein. Beharrlich mogelt es sich in mein
Verzagen. Und fängt einfach an, mit einem behutsamen „Ja“ zur Gegenwart. Da, wo sie nah
ist und klein und so schön. Dann höre ich plötzlich das Lied, das eine Nachbarin im
Treppenhaus summt. Und sehe im Fensterrahmen den Streifen aus Azur, der zwischen
Wolken über den Häusern schwebt. Jetzt ist heute und ich bin hier. Ein neuer Tag ist da und
nun beginnt ein neues Jahr. Ich nehme mir vor, dem „Trotzdem“ einen Raum zu geben in
meinen Gedanken. Als ob es ein Brachland sei, aus dem etwas werden könnte, wenn ich
beginne, es zu pflegen. Denn es könnte ja sein, liebe Zukunft, dass du Vertrauen in mich setzt.
Und ich dazu beitragen kann, dass es dich gibt.
Text: Tina Willms
Grafik: Wendt