
RUHE IM ALLTAGSSTURM
Es gibt wohl kaum eine stressigere Zeit als die Wochen nach den Sommerferien. Ziemlich abrupt fährt das ganze Leben wieder hoch, ganz so, als wolle man alle Dienstbesprechungen des Sommers in einem Monat nachholen, mit allen Menschen Verabredungen treffen und zugleich bereits die Advents- und Weihnachtszeit in den Blick nehmen.
So rennt man dann von A nach B und macht eine Menge Wind, und die Menschen um einen herum ebenso. Ein formidabler Herbststurm entsteht und die ersten bunten Blätter werden von der einen Ecke der Kirchenwiese zur anderen geweht und leuchten. Doch anstelle zu staunen, gibt es Menschen, die versuchen, alle Blätter zusammenzuharken, diese auf eine Schubkarre zu schaufeln, bis sie schwitzen, und es fallen doch immer wieder neue von den Bäumen. Einzigartig und schön.
Wer es dagegen schafft, für fünf Minuten stehen zu bleiben und auf dieses Farbenmeer zu blicken, wird darin vielleicht ein kleines Stück des Himmels wiederentdecken. Und wer noch einen Funken kindlichen Übermuts in sich trägt, legt sich einfach mitten auf einen Blätterberg, schließt die Augen und fühlt sich wie auf einer Wolke, vom Laub sanft gesegnet. Und was könnte es Schöneres geben? Alles ist weich, die Sorgen lösen sich für einen Moment auf und der Blick geht in den Himmel.
Text: Jan Simowitsch
Foto: Daniela Hillbricht
Jahreslosung 2026: Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu! (Offenbarung 21,5)

ANDERS GESAGT: ZUKUNFT
Liebe Zukunft, von der ich nicht weiß, wie du aussiehst. Es gibt Zeiten, da kann ich kaum an
dich glauben. Manchmal erscheint es mir unwahrscheinlich, dass es dich gibt. Erst recht nicht
für eine Ewigkeit. Ich weiß nicht, ob du in das schauen kannst, was wir Gegenwart nennen.
Sollte es so sein, dann weißt du, dass die in der letzten Zeit eher entmutigend war. Ja,
vielleicht hast du sogar Angst um dich selber bekommen.
Ich jedenfalls gebe zu, dass ich zuweilen verzagt bin. Ich weiß nicht, ob ich in dich, liebe
Zukunft, Vertrauen setzen kann. Dabei kannst du ja gar nichts dafür.
Manchmal kann Vertrauen wohl nur ein „Trotzdem“ sein. Beharrlich mogelt es sich in mein
Verzagen. Und fängt einfach an, mit einem behutsamen „Ja“ zur Gegenwart. Da, wo sie nah
ist und klein und so schön. Dann höre ich plötzlich das Lied, das eine Nachbarin im
Treppenhaus summt. Und sehe im Fensterrahmen den Streifen aus Azur, der zwischen
Wolken über den Häusern schwebt. Jetzt ist heute und ich bin hier. Ein neuer Tag ist da und
nun beginnt ein neues Jahr. Ich nehme mir vor, dem „Trotzdem“ einen Raum zu geben in
meinen Gedanken. Als ob es ein Brachland sei, aus dem etwas werden könnte, wenn ich
beginne, es zu pflegen. Denn es könnte ja sein, liebe Zukunft, dass du Vertrauen in mich setzt.
Und ich dazu beitragen kann, dass es dich gibt.
Text: Tina Willms
Grafik: Wendt

